MS Nordstjernen 1956 – 2026
70 Jahre auf See – reich an Erfahrung, Geschichten und Erlebnissen. Mögen Wind und Wellen dich weitertragen und der Polarstern dir, deinen Passagieren und der Crew auch künftig den sicheren Kurs weisen.
Alles Gute zum 70. Geburtstag, liebe „Stjerna“!
Wie sich doch die Geschichte wiederholt! Hamburg 2026 – ein kalter Winter mit viel Schnee. Auf der Elbe Eis – bei Geesthacht türmten sich sogar bizarre Eisformationen auf.
Gehen wir nun 70 Jahre zurück… Bei Blohm & Voss legt man letzte Hand an die Nordstjernen an, soll sie doch am 24. Februar an die Bergenske Dampskibsselskap übergeben werden, um wenig später in Bergen pünktlich zu ihrer Jungfernfahrt gen Norden aufzubrechen. Eine Kältewelle überzieht gerade ganz Europa, teilweise wurde Temperaturen von minus 25 bis minus 30 Grad gemessen. Fast alle großen Flüsse froren zu und hatten Eisgang. Mit Hut und Mantel stehen die geladenen Gäste auf dem eisbedeckten Achterdeck der Nordstjernen und hissen feierlich die norwegische Flagge, um kurz danach auszulaufen, um den mit Eisschollen bedeckten Fluß elbabwärts zu fahren. Schon auf ihrer ersten Fahrt nach Bergen kämpfte die Nordstjernen gegen die rauhe See und den stürmischen Nordwind – doch sie hielt Kurs, stolz und zuverlässig, wie sie es all die Jahre tun würde. In den Jahrzehnten danach wurde die Nordstjernen zu mehr als einem Schiff: sie wurde zum Zuhause für ihre Passagiere, die sie auf unvergeßlichen Reisen begleiteten, zum Zeugen von Geschichten und Begegnungen, die nur die See schreiben kann.
So wie 1992, als über Westnorwegen ein Orkan tobte, der als bisher stärkster gilt, der jemals über dem norwegische Festland tobte. Windmesser wurden zerstört, unzählige Häuser dem Erdboden gleich gemacht und Bäume entwurzelt. Und unsere Stjerna mittendrin bei der Umrundung des Westkaps….
Noch 2016 hat der norwegische Rundfunk diese Naturkatastrophe Revue passieren lassen und darüber berichtet. Auch, wie unsere „Stjerna“ mit ihrer Crew das gemeistert hat. Wir zitieren den NRK-Journalisten Terje Reite und Kapitän Herodd Widding:
„Als der Meteorologe Jan Erik Johnsen am Silvesterabend 1991 einen Orkan an der norwegischen Küste ankündigt, ist das Hurtigrutenschiff „Nordstjernen“ südgehend auf dem Weg zum Anlegen in Ålesund.
Die 150 Rundreisegäste, die seit Weihnachten an Bord sind, erwarten ein Feuerwerk als krönenden Abschluß ihrer Festtagsreise. Das Schiff soll eine zusätzliche Stunde im Hafen von Ålesund bleiben, damit sie die Raketen und die Feierlichkeiten miterleben können. Kaum ahnen sie, daß sie ein Reiseende erleben werden, das sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis einbrennen wird.
Doch die Orkanwarnung hatte den Kapitän der „Nordstjernen“, Herodd Widding, bereits erreicht. „Bei einer solchen Warnung mußte ich detaillierte Informationen über die Verhältnisse rund um Stad bekommen. Also kontaktierte ich den Leuchtturmwärter auf der kleinen Insel Svinøya. Das Fazit war, daß ich die Abfahrt um eine Stunde vorverlegen mußte. Ich mußte das Schiff um Stad herumbringen, bevor der Orkan losbrach“, erzählt Herodd Widding dem norwegischen Rundfunk NRK – 25 Jahre nach dem Neujahrsorkan.
Im Laufe der Nacht steht Widding in regelmäßigem Kontakt mit dem Leuchtturmwärter auf Svinøy. Als die „Nordstjernen“ die Herøy-Brücke passiert, ist noch alles normal. Durch die Flåværleia weht es lediglich stürmisch. Trotzdem ruft Widding den Leuchtturmwärter erneut an. Die Hurtigrute nähert sich Kjæringa bei Stad. „Der Leuchtturmwärter bittet um unsere Position. Ich erkläre ihm, wo wir sind. Dann wird es sehr still am anderen Ende. Nach einer Weile höre ich ihn sagen: „Ihr Armen….“
Um vier Uhr nachts erreichte der Orkan Stad. Kurz darauf befand sich die „Nordstjernen“ bei Kjæringa. „Ich dachte, es sei Hagel, der gegen den Rumpf schlägt – so laut war es. Aber es war Gischt mit enormer Geschwindigkeit. Bei Kjæringa trafen wir auf eine völlig schwarze Wand – und wir fuhren hindurch wie durch eine Tür“, erinnerte sich Widding. „Ich bin noch ein Seemann der alten Schule. Wir sagen, wenn es möglich ist zu fahren, dann tun wir es. Aber es braucht auch eine gute Mannschaft. Fordert man die Naturgewalten heraus, kann man das Schiff zum Kentern bringen. Paßt man sich hingegen den Naturkräften an, ist es unglaublich, wie viel gut gehen kann“, sagt Widding.
Da entschied er sich, direkt hinaus aufs offene Meer zu steuern. Dort war der Manövrierraum größer und das Risiko geringer als im flachen Küstengewässer. „Normalerweise hätten wir 40 Minuten gebraucht – diesmal vier Stunden. Der Wind war so stark, daß sich das Radar nicht mehr drehte und ausfiel. Alles war schwarz.“
Das Ziel war weiterhin, Måløy zu erreichen. Beim Leuchtturm Kråkenes setzte Widding wieder Kurs auf die Küste.
„Der Zeitpunkt, an dem wir ohne Radar Kurs auf Kråkenes nahmen, war wohl der kritischste Moment der Reise. Ich war sehr angespannt. Wir überlegten, bei Raudeberg vor Anker zu gehen. Dafür hätten wir aber die Unterstützung eines Seenotrettungsbootes gebraucht. Doch diese waren damit beschäftigt, andere Schiffe zu retten, die in noch schlechterer Lage waren als wir. So mußten wir umkehren und wieder hinaus aufs offene Meer fahren.“
Im Morgengrauen konnte die Nordstjernen im Schutz der Insel Silda ankern und alle sich erholen. Trotz der extremen Bedingungen blieb die Nordstjernen unbeschädigt. Für die Passagiere wurde die geplante Silvesterfeier zu einem unvergeßlichen, dramatischen Naturerlebnis. Das Ereignis gilt bis heute als eindrucksvolles Beispiel für gutes seemännisches Können, besonnene Entscheidungen unter Druck – und für den Respekt vor den Naturgewalten an der norwegischen Küste.
Ende 1991 war die Nordstjernen bereits mit elektronischen Seekarten ausgestattet worden – als Vorbereitung auf eine neue Generation von Hurtigrutenschiffen. Auf dieser Fahrt zeigte sich, wie wertvoll diese Technik war: Seezeichen, Lichter und Leuchtfeuer waren zerstört worden – „da waren die neuen elektronischen Karten gut zu haben“, sagte Widding, dem die Passagiere nach dieser Fahrt mehr als überschwenglich dankten.“
Autor des NRK-Artikels: Terje Reite (2016, 27. Dezember) „Nyttårsorkanen gav oss betre varsling“,
NRK, https://www.nrk.no/mr/xl/nyttarsorkanen-gav-oss-betre-varsling-1.13289683?fbclid=IwY2xjawQCWrFleHRuA2FlbQIxMABicmlkETBIVVhwM1FGWXhkOEY1c0NXc3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHrLwjURaHIvpDM_OI8KSfy3KHKB7Mv2gApg4oNBPXmLYAy1X-XxBu4JCI46t_aem_He9SJ9PBPpRJuBaJ6mS4uQ
(abgerufen am 22.02.2026)
Diese kleine Geschichte soll Euch zeigen, was für ein unglaubliches Schiff unsere Nordstjernen ist – und wir können sehr stolz auf sie sein. Sie blickt auf ein Leben zurück, das geprägt wurde durch die Naturgewalten an der norwegischen Küste. Sie hat sich mit der Zeit den schiffstechnischen Neuerungen angepaßt und sieht heute eine Welt, die sich verändert hat. Aber unsere Nordstjernen ist immer noch da – heute, morgen und für alle Zeit!
Liebe Stjerna – wir wünschen Dir alles Gute zu Deinem Geburtstag!
Sieben Jahrzehnte lang hast du die norwegische Küste sicher bereist, Passagiere begeistert und unvergeßliche Geschichten geschrieben. Wir wünschen Dir für die Zukunft weiterhin sichere Fahrten und daß Du uns noch sehr lange erhalten bleibst. Mögen der Polarstern und Ernst weiterhin über Dich, Deine Passagiere und die Mannschaft wachen!
Happy Birthday – Gratulerer med dagen – Alles Gute zum Geburtstag