Geschichte der MS LOFOTEN

MS LOFOTEN 1964

Das älteste Schiff im aktiven Hurtigruten-Einsatz

 

 

Der Bau des Schiffes

Die „Lofoten“ wurde 1963 auf der Osloer Werft Akers Mekaniske Verksted bestellt – die Werft, die dort lag, wo heute das Einkaufszentrum Aker Brygge ist. Sie ist eines von drei Schiffen, die im Jahre 1964 für die Hurtigruten-Partnerreedereien in Dienst gestellt wurden und mit denen das Wiederaufbauprogramm nach dem zweiten Weltkrieg abgeschlossen wurde. Auftraggeber war die altehrwürdige Vesterålske Dampskipsselskap (VDS) in Stokmarknes, damals die älteste der im Hurtigrutendienst tätigen Reedereien, die auf den Gründer der Hurtigrute, den Reeder Richard With, zurückgeht.

Am 7. September 1963 taufte Asbjørg Bergsmo, Ehefrau des Direktors der VDS, das neue Hurtigrutenschiff auf der Aker-Werft auf den Namen "Lofoten". Im Laufe des Winters 63/64 wurde das Schiff in der Werft in Pipervika fertig ausgerüstet und für die Probefahrten bereitgemacht.

Während die Vorgängerbauten, die in den 40er und 50er Jahren für die Hurtigrute in Dienst gestellt wurden, sich eher am traditionellen Design der Postdampfer der Vorkriegszeit orientierten, standen bei der „Lofoten“ durchaus modern anmutende Gestaltungsmerkmale im Vordergrund. Die stromlinienförmigen Aufbauten, die elegant geneigten Masten und nicht zuletzt der schnittige Schornstein im hinteren Schiffsbereich – ermöglicht durch die Anordnung der Maschine im Achterschiff – liessen die „Lofoten“ sehr zeitgemäß erscheinen.

Am 27. Februar 1964 kam die erste 4 Stunden lange technische Probefahrt zwischen Skjærholmen und der Insel Langøy im Bunnefjord. Mit an Bord waren Mitarbeiter der Aker-Werft, der VDS und der Schiffahrtsbehörden. Im Bauvertrag war festgeschrieben, daß das Schiff 16,8 Knoten durchschnittliche Geschwindigkeit erreichen mußte. Tatsächlich fuhr die Lofoten ganze 17,49 Knoten maximale Geschwindigkeit und konnte so der VDS übergeben werden.

Nach der Fahrt auf dem Oslofjord mit 100 geladenen Gästen legt das Schiff vor dem Osloer Rathaus Seite an Seite mit dem Segelschiff "Christian Radich" an. Einige Tage später fahren beide Schiffe westwärts und erreichen In der Nacht vom 3. zum 4. März 1964 Bergen, wo die „Lofoten“ am Festningskai (bei der Håkonshallen) festmachte.

 

Im Einsatz auf der Hurtigrute

Ende Februar wurde die „Lofoten“ von der VDS in Dienst gestellt. Am 4. März 1964 übernahm sie den Liniendienst ihrer Vorgängerin, einem Dampfschiff gleichen Namens, und lief am folgenden Tag zu ihrer Jungfernreise nach Kirkenes aus. Als erster Neubau eines Hurtigruten-Schiffes seit vier Jahren erweckte die erste Reise der „Lofoten“ landesweites Aufsehen. In Ålesund strömen die Menschen aus ihren Häusern, in Rørvik kam das Schulorchester trotz des schlechten Wetters an den Kai als das Schiff, nachdem es auf Folla einen kleinen Sturm überstand, einlief. In Nordland war das Interesse extrem groß, und Tausende von Schaulustigen strömten zum Schiff. An Bord kam nur, wer eine Einladung der Reederei hatte. Am 8. März kam Staatsminister Einar Gerhardsen in Bodø an Bord.

Bei Schneetreiben legte die „Lofoten“ am 9. März früh morgens im Heimathafen Stokmarknes an. Aufgrund der Nachtstunden werden die offiziellen Begrüßungsfeiern auf die südgehende Fahrt verschoben. Viele sind dennoch zum Kai gekommen.

Einige Monate später stießen mit der „Kong Olav“ und der „Nordnorge“ die letzten Neubauten des Bauprogramms zur Hurtigrute. Zusammen mit der „Harald Jarl“ von 1960 waren sie für die nächsten zwanzig Jahre die modernsten und größten Schiffe der Flotte. Alle 13 Schiffe der Hurtigrute waren jetzt nach dem Krieg gebaute moderne Einheiten.

Von nun an versah die „Lofoten“ zusammen mit ihren Schwestern den regelmäßigen Hurtigruten-Dienst. Im März 1965 mußte sie in die Werft, um einige kleine "Kinderkrankheiten" zu beseitigen. Es mußten diverse undichte Rohrleitungen in den Kabinen, Toiletten, der Halle zum früheren Rauchersalon der ersten Klasse sowie der Brücke repariert werden. Nach nur zwei Tagen war das Schiff wieder nordwärts unterwegs.

1966 wurde nordgehend von Finnsnes nach Tromsö ein kleines Mädchen an Bord geboren. Am 17. April 1967 gab es dagegen den ersten Todesfall an Bord.

1968 haben die Hurtigruten-Reedereien in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsministerium abgesprochen, während der Sommermonate Fahrten nach Spitzbergen anzubieten. Jede Reederei sollte sich daran mit einem Schiff beteiligen. Dazu wurden die jeweiligen Flaggschiffe der Reedereien auserkoren, und so verkehrten von nun an die „Lofoten“ neben der „Harald Jarl“, der „Kong Olav“, der „Nordnorge“ und der „Nordstjernen“ zusätzlich zum Hurtigrutendienst auch nach Svalbard. An der Küste liefen die Spitzbergen-Schiffe dabei als „Express-Hurtigruta“ nur die größeren Häfen an. Sie bunkerten in Honningsvåg, bevor Kurs auf Bjørnøya genommen wurde. Ab Longyearbyen wurden der Tempelfjord, Barentsburg, der Magdalenenfjord und Ny-Ålesund angelaufen. Soweit es das Eis zuließ, ging die Tour bis zum 82. Breitengrad. Zunächst wurden sechs Fahrten pro Jahr durchgeführt.

1970 wurden die Anzahl der Spitzbergen-Fahrten von sechs auf elf ausgeweitet. Bis 1980 fuhr jedes der fünf Schiffe je nach Fahrplan zwei- bis dreimal in der Saison nach Spitzbergen. 1972 lief die „Lofoten“ dabei auf eine unbekannte Sandbank bei Longyearbyen, schlug jedoch nicht leck und konnte selbst wieder freikommen.

1975 waren die „Lofoten“ sowie die anderen Nachkriegsschiffe schon in die Jahre gekommen und entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik, der eine Be- und Entladung mit Aufzügen und Gabelstaplern durch eine Seitentür erforderte. Das Verkehrsministerium wünschte eine Modernisierung der Schiffe mit größerem Fokus auf die Beförderung von Gütern. Ein umfassender Umbau wurde vorgeschlagen, aber nie durchgeführt.

Im April 1977 geht die „Lofoten“ auf Kreuzfahrt nach Lerwick/Shetlandinseln. Weitere ähnliche Fahrten sollten folgen. Zurück im Spitzbergen-Dienst lief die „Lofoten“ am 19. Juli 1977 aufgrund eines Navigationsfehlers beim Nordøygrunnen-Leuchtfeuer in Tjeldsund auf Grund und zog sich große Schäden am Rumpfboden zu, die aufwendig repariert werden mußten.

Von 19. Oktober bis 5. November 1980 war die „Lofoten“ in der Aalborg-Werft in Dänemark, um die Inneneinrichtung zu modernisieren. Vier große Passagierkabinen wurden auf Kosten des Speisesaals der zweiten Klasse eingebaut. Außerdem wurde der Rumpf routinemäßig kontrolliert sowie der Hauptmotor geprüft. Die Zylinderblöcke hatten sich verschoben, und die gesamte Maschine wurde demontiert und neu wieder zusammengebaut.

Als die Lofoten am 16.Juni 1982 Bergen verließ, begann auch die letzte Spitzbergen-Saison. Dies war beschlossen worden, weil man die Hurtigruten-Flotte auf elf Schiffe reduzieren wollte. Im Herbst verschwand die Regelung der ersten und zweiten Klasse, und alle Passagiere hatten nun uneingeschränkten Zutritt zu allen Salons.

Das Jahr 1983 wurde zu einem wichtigen Jahr für die Hurtigrute: Die Postexpedition auf der „Lofoten“ und den anderen Schiffen wurde zum 31. Dezember eingestellt, die letzten Postämter auf See. Das Postamt vor der Rezeption wurde in den nächsten Jahren als Lager und Werkstatt benutzt, bevor es Anfang der 90er Jahre zu Passagierkabinen umgebaut wurde. Der gesamte Bereich vor der Rezeption wird aber heute noch als "Postgang" bezeichnet.

1985 stehen weitere große Umbauten an: Vom 14. bis 31. Oktober war die „Lofoten“ wieder in der Werft in Dänemark, um den Standard zu verbessern und den drei neuen Schiffen anzugleichen. Der alte Rauchersalon achtern bekam eine Bar und eine Tanzfläche und wurde "Club Nordkapp" getauft. Der vordere Rauchersalon wurde ebenfalls renoviert. Während des Werftaufenthaltes bekamen viele Kabinen auf dem B-Deck ein eigenes Bad. Als der Umbau fertig war, hatte man die Kabinenanzahl auf 91 reduziert. Einige Stahlplatten am Schiff wurden ausgetauscht, und nach dem Sandstrahlen wurde der Rumpf blau gestrichen. In der Praxis bewährte sich der Anstrich nicht - 1986 bekam die „Lofoten“ die schwarze Rumpffarbe zurück.

Im Jahr 1986 hatte sich die Ofotens Dampskibsselskap in Narvik die Aktienmehrheit der Vesterålske gesichert, und im Laufe des Jahres wurden beide Reedereien zur OVDS zusammengeschlossen. Anfang 1987 bekam die „Lofoten“ die neue Schornsteinmarke und Reedereiflagge, der Heimathafen wurde Narvik.

 

Der maritime Stolz der Finnmark

Allerdings blieb sie nicht lange im Besitz der OVDS. Die Hammerfester Reederei Finnmarks Fylkesrederi og Ruteselskap (FFR) wünschte sich schon lange einen festen Platz in der Hurtigrute, und am 1. Oktober 1988 konnte sie die „Lofoten“ für 20 Mio NOK übernehmen. In Hammerfest, dem neuen Heimathafen, wurde das Schiff freudig begrüßt. Trotz eines unglücklichen Starts – im Frühling 1989 brach bei Landego ein Brand in der elektrischen Hauptschalttafel des Maschinenraums aus – betrachtete die FFR die „Lofoten“ als ihr Flaggschiff und investierte kräftig in Renovierungen und Unterhalt. Speisesaal, Cafeteria, achtere Bar und Panoramasalon wurden modernisiert. Vom Nordnorwegischen Kunstcenter in Svolvær wurde Kunst angeschafft, da die OVDS die vorherige Ausschmückung entfernt hatte. Der Eisbär im Stadtwappen von Hammerfest wurde zum Thema auf dem Schiff. 1989 wurde ein echtes Eisbärenfell angeschafft und vor dem Speisesaal angebracht. Ein Eisbärenrelief wurde im vorderen Rauchersalon montiert, und er wurde „Eisbärensalon“ getauft.

Ab Anfang der 90er Jahre stießen nach und nach weitere Neubauten zur Hurtigruten-Flotte, und die verbleibenden Schiffe aus dem Nachkriegsprogramm bekamen den Status von Veteranen. Für die „Lofoten“ änderte sich dadurch zunächst nicht viel. Im Mai 1993 fuhr die „Lofoten“ jedoch abweichend von ihrer regulären Route ab Honningsvåg nach Murmansk und zurück nach Hammerfest.

1994 wurden Treppenhaus, Halle und Rezeption renoviert. Es wurde ein Messinggeländer installiert sowie Decksplankenlaminat verlegt. Im März wurde der 30. Geburtstag gefeiert; das Schiff lag in Bergen am Festningskai, es gab ein Feuerwerk bei Abreise, und während der gesamten Rundtour wurde das Schiff gefeiert.

Anfangs 1995 erlebte das Schiff sein bisher schlimmstes Unwetter, als es sich mit drei Knoten und 20 m hohen Wellen an Stad vorbeikämpfte. Im Oktober beschloß die FFR, wieder aus dem Hurtigruten-Dienst auszuscheiden, und suchte das Gespräch mit der OVDS zwecks eines Rückkaufs. Ihre Zeit als maritimer Stolz der Finnmark ging dem Ende zu. 1996 kaufte die OVDS die „Lofoten“ für 35 Mio NOK zurück. Der offizielle Wechsel fand am 31. März in Hammerfest statt.

 

Das letzte klassische Postschiff auf der Hurtigrute

1997 wurde die neue „Nordnorge“ in Dienst gestellt, und danach waren die „Lofoten“ und die „Harald Jarl“ die letzten klassischen Schiffe in der Flotte.

Änderungen in den Klassifizierungsregeln führen 1998 zu einer Reduktion der Passagierkapazität auf 399 Personen. Zudem mußte ein neues Rettungsboot angeschafft werden, ein sogenanntes MOB-Boot, das im Notfall sehr schnell zu Wasser gelassen werden kann.

2001 wurde die „Lofoten“ als erstes Hurtigruten-Schiff unter Denkmalschutz gestellt. Damit wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass das Schiff noch weitgehend im Originalzustand war – sowohl in der äusseren Gestaltung als auch in der Inneneinrichtung.

Mit der laufenden Indienststellung von weiteren Neubauten wurde die „Lofoten“ ab 2001 während der Sommermonate aus der Linienfahrt genommen und für Küstenkreuzfahrten ab Bodø nach Helgeland, Lofoten und Vesterålen eingesetzt.

Im Frühjahr 2002 war dann die endgültige Außerdienststellung geplant und der Ersatz durch die neue „Finnmarken“. Aber neue Aktivitäten der Hurtigrute in der Antarktis liessen die „Lofoten“ immer wieder zu Wintereinsätzen auf ihre Stammroute zurückkehren. Die Sommerkreuzfahrten, zu denen sich auch Touren in den Lysefjord, Hardangerfjord und Sognefjord gesellten, wurden fünf Jahre lang, bis 2007, beibehalten.

2003 wurde eine erneute und diesmal besonders gründliche Renovierung vorgenommen, die den weiteren Einsatz des Schiffes sicherstellen sollte.

Am 1. März 2006 fusionierten die beiden letzten noch im Hurtigruten-Dienst tätigen Reedereien TFDS und OVDS zur Hurtigruten Group ASA. Die „Lofoten“ wechselte daraufhin zum vierten Mal die Reedereiflagge.

Seit im Jahr 2007 die „Narvik“, eines der Hurtigruten-Schiffe aus den frühen 80er Jahren, verkauft wurde, ist die „Lofoten“ wieder ganzjährig auf der Hurtigrute im Einsatz.

Am 31. Januar 2011 erfolgt eine erneute Überholung des Schiffes, diesmal in Frederikshavn/Dänemark. Dabei standen vor allem Arbeiten an der mittlerweile 48 Jahre alten Hauptmaschine an. Dennoch waren in den folgenden Monaten immer wieder kleinere Defekte an der Maschine zu verzeichnen. Auch in den folgenden Jahren fanden die Überholungen in der Regel in dänischen Werften statt.

Am 8. Oktober 2013 wendete das Schiff südgehend bereits in Florø und fuhr nach Ålesund zurück. Nach einem Fischtransport war Spülwasser aus dem Laderaum in benachbarte Kabinen geraten. Eine Reihe von Kabinen wurde provisorisch gereinigt und für eine erneute Belegung gesperrt, da zusätzlich ein Asbestproblem aufgetreten ist. Eine endgültige Renovierung und Erneuerung erfolgte beim turnusmäßigen Werftaufenthalt des Schiffes Ende Januar 2014.

Im Februar 2014 konnte das Schiff auf eine 50jährige Geschichte zurückblicken. Viele Fans haben sich zur Jubiläumstour eingeschifft und zelebrierten die „Lofoten“, die als herausragende Vertreterin norwegischer Werftindustrie und Nachkriegsküstenfahrt längst Kultstatus erlangt hat und von ihren Freunden aus der ganzen Welt als Ikone der klassischen Hurtigrutenschiffe geliebt wird.

2015 wurde an Bord ein neues Konzept umgesetzt, welches den historischen Charakter des Schiffes hervorhebt. Seitdem ist die „Lofoten“ wieder mit der Schornsteinmarke des ursprünglichen Eigners VDS unterwegs, und auch die Inneneinrichtung orientiert sich wieder stärker am Urzustand der 60er Jahre. Das Nostalgiekonzept umfasst auch die Bereiche Service und Gastronomie.

Die hohe Nachfragenach Reisen auf der „Lofoten“ zu jeder Jahreszeit bestätigt die Richtigkeit dieses Konzeptes und unterstreichen die ungebrochene Popularität des Schiffes bei seinen vielen Freunden. Daher scheint zumindest ihre nähere Zukunft als „Grand Old Lady“ auf der Hurtigrute gesichert.